Bericht Swisspower Gigathlon - aus der Sicht des Betreuers

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Freitag, 12. Juli 2002 - Einrücken

Das Auto war vollgestopft mit 2 Velos, Materialen für die 5 Disziplinen, Food, Medikamenten, Kleidern, etc. Alles verstaut in hunderten von Plastiksäcken und Rucksäcken. Wo war jetzt genau in all dem Zeugs die Zulassung für den Parkplatz? Hm. Ist ja Wurst, versuchen wir's ohne. Wir kommen zwar in das Wettkampfgelände rein, erhalten aber den falschen Parkplatz, aber wir haben immerhin einen. Bei der Suche nach der Anmeldung durchlaufen wir die 2 km des Ankunftsgeländes und finden sie dann tatsächlich, obwohl sie sich wirklich gut versteckt hatten. Aber so leicht lassen wir uns nicht abbringen von unserem Vorhaben. Wir fassen den Chip, welcher dann für die Zeitmessung um Erika's Fuss gewickelt werden muss und das Zelt für die Übernachtung. Die 2 km retour, Zelt aufgestellt und dann - wieder zum Znacht die 2 km retour? So nöd. Also gönnten wir uns noch ein Nachtessen beim Chinesen um die Ecke statt im Festzelt bei all dem Jubel & Trubel. Schon bald hiess es ab in die Zelt-Schlafsack-ohne-Unterlage-Heia (und das bei meinem Scheuermann-Hohlkreuz-Total-kaputt-Rücken). Aber s'isch geil gsi. Ich war so müde, dass ich schon schlief, bevor der Kopf auf den Stein unter der Zeltplache knallte (Das muss so gewesen sein, denn am nächsten Morgen spürte ich nur die Beule).

Samstag, 13. Juli 2002 - Wettkampf

Tagwache um 04.10h. Hier nochmals: 04.10h. Und wenn wir nicht unseren eigenen Zmorgen mitgebracht gehabt hätten, hätten wir die berühmten 2 km ins Festzelt schon um diese Zeit unter die Füsse nehmen müssen. So aber assen wir stumm unser eigenes Müesli und hörten den Regentropfen zu, wie sie in einem lustigen Rhythmus und irgendwie fordernd (oder bildeten wir uns das nur ein?) auf unser Zelt prasselten. Dann noch im Trockenen alles zusammenramisieren und -packen und dann raus und das Zelt zusammenpacken und ab ins Auto. Erika würgte sich in ihren Wetsuit für die Schwimmstrecke. Als wir in Frauenfeld den Streckenposten nach dem Weg nach Diessenhofen (gibt es diesen Ort überhaupt) fragten, wies er uns in die falsche Richtung. Dank Navigations-System fanden wir aber auch dieses Diessenhofen noch. Auf jeden Fall fragte ich nun immer nach dem Weg und fuhr dann strickte in die andere Richtung. So fand ich dann auch alles. Leider konnte ich Erika beim Gump in den Rhein nicht zusehen, weil alle Betreuer weggeschickt worden waren. So fuhr ich weiter nach Schaffhausen, um alles für den Wechsel auf das Rennvelo vorzubereiten. Wieso hat es in Schaffhausen am Samstag Morgen um 06.00h Stau? Ja, logo, weil alle Betreuer, und das waren ja schon ziemlich viele, gleichzeitig dasselbe wollen: ihre Schützlinge beim Wechsel unterstützen. Ja, wieso müssen wir dann zmitzt in die Grossstadt, wo es keine Parkplätze für die x-1'000 Fahrzeuge hat? Hm. Also: Warten im Stau, zittern, ob ich es noch auf den Termin schaffe, bevor Erika aus dem Wasser steigt, friert und auf mich warten muss.

Ich nehme es hier vorweg: dank viel Phantasie, einem Off-Road Fahrzeug und viel Geduld und Freizügigkeit von Land- und Lädeli-Besitzern sowie der Polizei schaffte ich es immer, vor Erika in einer Wechselzone zu sein. In dieser Hinsicht (Parkplätze, Verkehrs-Führung und Betreuer-Fahrzeuge) kann man den Organisatoren leider kein Kränzli widmen. 

So war ich bereit, als Erika dem Fluss entsprang. Sie sah total fit aus, und ich zwang sie zum Essen und Trinken, half ihr aus den Kleidern raus und in die Rennvelo-Klamotten rein. Helm auf, ab aufs Velo und dann fuhr sie los Richtung Winterthur. Ich klaubte alle nassen Sachen zusammen in die Plastiksäcke und suchte mein Auto im Feld. Dann umfuhr ich grossflächig den Stau in Schaffhausen und dann kam das brutalste an diesem Tag: auf der ganzen Strecke fand ich keine Beiz / Tankstelle, die mir einen Kaffee hätte geben können. Stau, kei Parkplätz, frühre am Morge, Räge, all das gäng ja no, aber kei Kafi. Läck mir. Trotzdem fand ich mich pünktlich ein in der Eulachhalle in Winterthur und half Erika beim Wechsel auf das Mountain Bike. Hier stopfte ich ihr quasi eine Banane den Rachen runter, trichterte ihr Wasser ein und zwang sie zu einem Iso-Star-Riegel. Während meiner knappen Stunde Wartezeit unterhielt ich mich mit einem 1-Day-Single-Mann. Leider war seine Betreuerin nicht angekommen, und er konnte nicht auf das Mountain Bike umsteigen. Lag es ächt daran, dass im Führer stand, man solle die Autobahnausfahrt "Winterthur-Töss" nehmen, und dann den Schildern folgen, und dann gab es leider keine Schilder? Da ich die Eulachhalle mal erwähnt gehört hatte, und dort selber schon Wettkämpfe hatte, fand ich sie auch ohne Schilder. Aber die Betreuerin aus unserem nördlichen Nachbarland hatte diese Erfahrung nicht, und so fiel ihr Mann vom 10. Zwischenrang auf den letzten zurück.

Vor Zürich-Wollishofen konnte ich noch schnell zu Hause in Regensdorf vorbei, um mir endlich den Kafi zu gönnen, den ich schon lange gebraucht habe. Dann noch eine Dusche und das Kleider-Sortiment für Erika umstellen auf Schlechtwetter. Dann wieder rein in den Stau. Zum Glück arbeite ich in Zürich-Wollishofen und konnte den Geschäftsparkplatz benutzen. In der Wechselzone kam der Kontrollschluss (spätester Einfindungszeitpunkt, sonst fällt man aus der Rangliste) immer näher. Schafft sie es noch? Ja, sie kommt. Nochmals vollstopfen mit Esswaren und Getränken. Muss ich ihr erzählen, dass ich ihr ein Schmerzmittel ins Wasser mixte? Isch ja Wurscht. Sie hatte wirklich schwere Beine und sie taten ihr weh und das vor einem 29-km-Lauf nach Zug über Stock und Stein.

Während sie nun rannte, machte ich den Tageseinkauf im Migros, ass noch einen Kuchen und machte mich auf den Weg in den Stau das Sihltal durab nach Zug. So Staufahren zerrt schon an den Nerven. Vor allem, wenn man im voraus ja eben nicht weiss, ob man pünktlich ankommen wird. Aber so hat man genügend Zeit, die Auto-CD's zu hören, die Radio-Sender durchzuprobieren und die Staumeldungen, die an diesem Tag länger waren als die Nachrichten, zu verfolgen. Aber wieso musste ich unbedingt bei jedem Stau mitmachen? Janu, Sport isch xund und d'Umwält mit Abgas verpeschte zwar nöd, und so isch (vilicht) alles wieder usgliche...

Kommt Erika noch vor dem Kontrollschluss hier in Zug an? Ja, sie schafft es, gerade noch 5 Minuten vorher. Sie kann fast nicht mehr, ist aber immer noch fröhlich, geistig noch voll da und antwortet auch auf komische Fragen noch logisch. Muss ich ihr erzählen, dass ich ihr die doppelte Ration (nicht auf der Doping-Liste stehende) Schmerzmittel in die Getränke-Flasche gemixt hatte, die sie gerade trinkt? Nein, keine Details. Also gibt's  Früchte, wieder einen Energie-Stengel, eine kleine Massage, während sie eine Zigarette für die Beruhigung der Lungen in sich hineinzieht, Helm und Handschuhe montieren und bereit machen für den Start im Inline-Skating für die 36 km nach Luzern. 

Dank dem Massenstart in Zug waren nun wirklich alle Begleitfahrzeuge gleichzeitig unterwegs. Während des Tage hatte sich das Teilnehmerfeld (und die dazugehörigen Fahrzeuge) recht auseinander gezogen. Nun aber standen alle vor der Autobahn-Ausfahrt Luzern-Kriens im Tunnel. Nichts, aber auch gar nichts ging mehr. So nach einer halben Stunde lupfte es mir den Hut, und ich nahm einfach eine andere Ausfahrt und fuhr "von hinten" an das Allmend-Stadion und war noch knapp vor Erika da. Auch hier war sie vor Kontrollschluss am Ziel.

Als ich sie in Luzern auf die Zielgerade einbiegen sah, war ich schon stolz auf sie. Sie hatte es geschafft!! Eine wirklich grossartige Leistung! Andere machen das kaum mit einem Motorrad. Wieder andere haben angefangen und aufgeben müssen. 179 km und mehr als 14 Stunden unterwegs! Erika, das war wirklich unglaublich und Du kannst auch stolz auf Dich sein!

Erika's Betreuer - Marc

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